• Erst eine Ausbildung und dann studieren

    Weiterbildung an der Universität: So läuft ein duales Studium bei der Firma Bikar in Raumland ab

    So sieht der Arbeitsalltag für Louis Lauber nach dem dualen Studium aus: Als Exportleiter sind die Arbeit am Computer und der telefonische Kontakt zu den Kunden an der Tagesordnung. (WP-Foto: Sarah Engelhard)

    Raumland. „Mir ist erst im Zivildienst bewusst geworden, was ich machen möchte. Ich wusste, dass ich mit Zahlen gut umgehen kann, wollte aber nichts mit Maschinenbau machen, sondern eher in Richtung BWL“, sagt Louis Lauber. Er ist 29 und arbeitet bei der Firma Bikar als Exportleiter im Vertrieb. Davor machte er dort ein duales Studium. Das ist sozusagen eine Kombination aus einer Ausbildung und einem Studium, wobei die Ausbildungen und Studien ganz verschieden sein können.

    Ausbildung in Wittgenstein: Duales Studium bei Bikar

    Ausbildung in Wittgenstein:
    Duales Studium bei Bikar

    Doch nicht jede Ausbildung wird auch als duales Studium angeboten. Der Ablauf kann sich je nach Unternehmen und Hochschule unterscheiden. Es gibt Varianten, bei denen Studenten das ganze Semester über an der Uni sind und während der Semesterferien im Betrieb arbeiten. Dann gibt es die Möglichkeit, im Betrieb zu arbeiten und an den Wochenenden die Uni zu besuchen.

    Vorteil durch die Ausbildung

    Noch eine andere Variante wählte Louis Lauber: Er machte zuerst zwei Jahre lang die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann im Betrieb, besuchte wie für eine Ausbildung üblich die Berufsschule – in seinem Fall das Berufskolleg in Siegen – an zwei Tagen in der Woche. Weil er das Abitur in der Tasche hatte, konnte er die Ausbildung, die eigentlich drei Jahre dauert, um ein Jahr verkürzen. Das bot sich für ihn vor allem an, weil er noch studieren wollte. Das war von Anfang an der Plan: „Beim Bewerbungsgespräch war schon klar, dass ich studieren möchte und man hat mich gut beraten.“

    Nach Abschluss der Ausbildung nahm er dann ein Bachelorstudium auf. „Mittelstandsmanagement“ an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Danach folgte der Masterstudiengang „International Management“ an der Accadis Hochschule in Bad Homburg (bei Frankfurt) – wohlbemerkt auf englisch. Für Louis Lauber hat dieser Ablauf ganz klare Vorteile: „Man profitiert im Studium definitiv von der Ausbildung, zumal man dann schon einen Abschluss in der Hand und was vorzuzeigen hat.“ Es gebe einen deutlichen Unterschied zwischen denen, die schon eine Ausbildung absolviert haben, wenn sie anfangen zu studieren und denen, die von der Schule kommen. Nach der Ausbildung verfügten die Studierenden bereits über ein gewisses Grundwissen und hätten einen ganz anderen Zugang zum Lernstoff an der Uni, erklärt Lauber.

    Louis Lauber: Duales Studium bei Bikar

    Spaß an der Arbeit

    Insgesamt sieben Jahre brauchte er für Ausbildung, Bachelor und Master, hat also alles in Regelstudienzeit geschafft. „Zum Schluss war es echt stramm, das kann man nicht ander sagen“, erinnert sich Lauber. Die Stelle als Exportleiter trat er schon im Jahr 2012 an, arbeitete und studierte also gleichzeitig und blieb auch nach Beendung des Studiums in seinem Ausbildungsbetrieb. Und dafür hat er gute Gründe. „Mir wurde zu jeder Zeit signalisiert, dass man auf mich baut und mich unterstützen will. Was versprochen wurde, war auch so und das hat sich wie ein roter Faden durchgezogen.“ Direkt nach dem Vorstellungsgespräch gab es die Zusage für den Ausbildungsplatz und das duale Studium. Louis hatte sich noch bei anderen Unternehmen in der Region beworben, die Vorstellungsgespräche nach der Zusage aber abgesagt. „Das war so ein Bauchgefühl, es passte einfach.“ Am meisten Spaß habe es gemacht, den Betrieb wachsen zu sehen und seinen eigenen Beitrag dazu geleistet zu haben, erklärt er. „Ich hab kein Problem damit, montags wieder in den Betrieb zu fahren. Ich bin gerne hier.“

    • Eine der Stationen während der kaufmännischen Ausbildung bei Bikar ist der Vertrieb. (WP-Foto: Sarah Engelhard)
    • Sebastian Kaiser macht bei Bikar eine gewerbliche Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. (WP-Foto: Sarah Engelhard)
    • In diesem Raum hat alles begonnen: Heinz-Georg Stark (links) führte hier mit Louis Lauber das Bewerbungsgespräch. (WP-Foto: Sarah Engelhard)

    Reisen und telefonieren

    In seinem Job ist er die meiste Zeit im Büro, Telefon beziehungsweise Headset und Computer sind dafür unerlässlich. Als Exportleiter im Vertrieb hat er viel Kontakt mit Kunden, bearbeitet und koordiniert Anfragen und Aufträge, erstellt Angebote, kümmert sich um die Preisgestaltung und das Transportwesen. Der wichtigste Aspekt ist die Kommunikation mit den Kunden, egal ob Neukundenakquise, technische Beratung, Kontaktpflege oder Vertragsabschlüsse. Deshalb ist der Beruf auch viel mit Reisen um den ganzen Globus verbunden. „Wenn man es in Relation setzt wären es so 70 Prozent Büro, 30 Prozent Reisen“, sagt Lauber.

    Dass er in den Vertrieb geht, kristallisierte sich bei der Ausbildung heraus. Die Stationen für kaufmännische Ausbildungen sind bei Bikar immer gleich. Begonnen im Lager, um alle Materialien kennenzulernen, in die Arbeitsvorbereitung, zur Versandabteilung, in den Wareneingang, zur Lagerbuchhaltung, in den Einkauf, in die Buchhaltung und in den Vertrieb.

    Kreuzfahrt als Motivation

    Heinz-Georg Stark ist Verkaufsleiter bei Bikar und berät Azubis bei Bedarf: „Während der Ausbildung zeigt sich schnell, wer welche Vorlieben hat und wo Stärken liegen. Der eine redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, der ist der geborene Verkäufer. Andere können gut mit Zahlen jonglieren, die sind in der Buchhaltung gut aufgehoben.“ Davon profitierten dann das Unternehmen und die Mitarbeiter, so Stark. „Man soll sich ja nicht zur Arbeit schleppen und denken ,Hoffentlich ist der Tag bald rum’. Es soll ja Spaß machen!“ Er erklärt, dass Bikar als Unternehmen, das in der Metallverarbeitung von Aluminium, Kupfer, Messing und Bronze tätig ist, sowohl kaufmännische Berufe wie Groß- und Außenhandelskaufleute und Industriekaufleute, als auch gewerbliche Berufe wie Industriemechaniker, Fachkräfte für Lagerlogistik und Maschinen- und Anlagenführer ausbildet. Das Besondere: Bikar hat bisher bis auf eine Ausnahme alle Auszubildenden übernommen.

    Zur Zeit arbeiten bei dem Unternehmen 18 Azubis, zehn neue kommen im Sommer voraussichtlich dazu. Als kleinen Anreiz, der die jungen Mitarbeiter motivieren soll, darf der beste Azubi im Kammerbezirk eine Aida-Kreuzfahrt machen. Louis Lauber hatte 2009 mit seinem guten Abschluss das Vergnügen und war eine Woche im Mittelmeer unterwegs.

    Von Sarah Engelhard

    Quellennachweis

    Das Textmaterial wurde uns freundlicherweise von der WESTFALENPOST (WP) zur Verfügung gestellt.

    Fotos: WP-Fotos (4) und Skizze von Sarah Engelhard

    WESTFALENPOST (WP)
    WP-Ausgabe vom 29. April 2016
    Internet www.derwesten.de

    WESTFALENPOST

    Produkte, Firmensitz und Fachgebiet der Firma

    Die Firma Bikar Metalle GmbH ist ein Lieferant für verschiedene Produkte aus Aluminium, Kupfer, Messing, Rotguss, Bronze, Sonderlegierungen und Kunststoffen.

    Die Formen der Produkte sind unterschiedlich. Es gibt u.a. Platten, Bleche, Zuschnitte, Ronden, Ringe, Stangen, Rohre und Profile.

    Die Größen variieren dabei von Materialien mit einem Stückgewicht von 15.000 Kilogramm bis zur Stange mit nur einem Millimeter Durchmesser.

    Der Stammsitz der Firma ist in Raumland. Verkaufsbüros sind in Augsburg, Eystrup (Niedersachsen), Sulzbach-Rosenberg (Nürnberg) und Remscheid. Über 400 Mitarbeiter arbeiten für Bikar.

    Der Ableger "Bikar-Aluminium GmbH" ist in Korbußen (Thüringen) und dient der Produktion verschiedener Produkte.