• Bei Bikar sind die Verantwortlichen mit der wirtschaftlichen Situation zufrieden. Hier wird ein Aluminium-Block mit einem 16-Tonnen-Stapler in die Produktion gefahren. (Foto: BIKAR-METALLE)


    Wittgenstein. Wie geht es der heimischen Wirtschaft? Wohl niemand kann diese Frage besser beantworten als IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. "Die weltwirtschaftlichen Turbulenzen sorgen nach wie vor für Unsicherheiten", beschreibt er auf Anfrage unserer Lokalredaktion die Situation. Diese Turbulenzen hatten nach Ansicht Gräbeners bereits im vergangenen Jahr einen breiter getragenen Aufschwung verhindert.

    In der Region, das ist der heimischen Industrie- und Handelskammer aufgefallen, gibt es einen weiteren Unsicherheitsfaktor für die Unternehmen. Gräbener: "Die Breitband-Infrastruktur weist erhebliche Defizite auf. Besonders in Gewerbe- und Industriegebieten ist die Anbindung in vielen Fällen schlechter, als in Sonntagsreden der Politik zu hören ist."

    "Im Altkreis Wittgenstein verzeichnen wir bei der Beschäftigung
    fast bayrische Verhältnisse."

    Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer Industrie- und Handelskammer

    Und welche Rolle spielen die Flüchtlinge? Es sei ja nach wie vor unklar, wie sich die hohen Flüchtlingszahlen auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken, so Gräbener und fährt fort: "Die damit verbundenen Herausforderungen sind beträchtlich. Andererseits wirken sich die Bedarfssteigerungen für etliche Branchen positiv aus, etwa im Wohnungs- und Versorgungsbereich."

    Bei allen Unwägbarkeiten muss aber niemand den Kopf in den Sand stecken. Die Zahlen des Arbeitsmarktes kommentiert Klaus Gräbener: "Im Altkreis Wittgenstein verzeichnen wir bei der Beschäftigung fast bayrische Verhältnisse. Auch der immer noch halbwegs stabile Lehrstellenmarkt zeigt, dass es unseren Unternehmen insgesamt prima geht. Sie sind weit überwiegend hervorragend aufgestellt. Gut auch, dass wir in der Verkehrsinfrastruktur einige Schritte vorwärts kamen. Der sechsspurige Ausbau der Sauerlandlinie kommt!"

    Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer Industrie- und Handelskammer

    Und am Wittgensteiner Land rollt der Verkehr vorbei? "Was die Verkehrsanbindung Wittgenstein anbetrifft, werden wir nicht nachlassen", verspricht der Hauptgeschäftsführer. "40 Jahre wird diskutiert. Passiert ist so gut wie nichts. Dabei ist klar: Binden wir diese Region und ihre Industrie nicht vernünftig an, dann hängen wir die dort lebenden Menschen auf Dauer ab. Wertschöpfung und Arbeit wandern dann in andere Regionen. Daran kann niemand ernsthaftes Interesse haben, der in der Region Verantwortung trägt. Ich wünsche mir für 2016, dass den jahrzehntelangen Vertröstungen endlich konkrete Taten folgen. Dafür muss die Region gemeinsam kämpfen."

    Spannendes Jahr bei Bikar

    Raumland. Für die Firma Bikar Metalle GmbH stand Marketingleiter Jan Saßmannshausen unserer Lokalredaktion Rede und Antwort.

    Er meldet für 2015 "ein spannendes und positives Jahr. Spannend vor allem durch den 30 Millionen Euro teuren Neubau zweier Produktionsstätten in unserem Standort im thüringischen Korbußen und den damit verbundenen Neuerungen im Unternehmen. Auf 17.000 Quadratmetern sind ein weiteres Zuschnittzentrum für NE-Metalle mit vollautomatischer Anbindung an ein 120 Meter langes Hochregallager sowie eine Produktionsstraße für Aluminiumplatten entstanden. Dieser Schritt war notwendig, da wir in den vergangenen Jahren stets an und phasenweise über den Grenzen unserer Produktionskapazität agiert haben. Mit den neuen Möglichkeiten können wir nun den Markt noch aktiver bearbeiten. Sowohl in der Produktion als auch in der Administration und dem Vertrieb wurden viele neue Stellen geschaffen. 120 neue Mitarbeiter haben wir 2015 in unser bestehendes Team integriert; auf zwei alte Mitarbeiter kam somit ein neuer Mitarbeiter. Auf diese Leistung können alle Beteiligten stolz sein.

    Die wirtschaftliche Bilanz konnte mit diesen Entwicklungen Schritt halten, so dass wir unsere Ausbringungsmenge 2015 deutlich steigern und unsere Marktposition weiter verbessern konnten.

    Neue Verwaltung, neues Lager

    Nachdem in 2015 die Investitionen in Thüringen abgeschlossen wurden, steht 2016 unser Standort in Raumland im Fokus. Hier beginnen schon bald die Bauarbeiten für ein neues Verwaltungsgebäude sowie ein 25 Meter hohes Hochregallager mit direkter Anbindung an ein Sägezentrum. Die bisher auf drei Werke aufgeteilte Verladung wird künftig zentral erfolgen, um Lkw effizienter bestücken zu können und die Standzeiten und somit die Kosten der Speditionen zu reduzieren. Parallel zum weiteren Ausbau der Produktion verstärken wir mit der Gründung einer Verkaufsniederlassung in Remscheid sowie zusätzlichen Mitarbeitern in unseren Niederlassungen Nürnberg und Bremen unseren Vertrieb in Deutschland. Dadurch versprechen wir uns den konsequenten Ausbau unserer Marktanteile im gesamten Bundesgebiet. Ein immer wichtiger werdendes Zugpferd ist der Export. Auch hier planen wir für 2016 neue Verkaufsniederlassungen in ausgewählten Zukunftsmärkten.

    Jan Saßmannshausen, Marketingleiter der Bikar Metalle GmbH

    Für den Januar lässt sich bereits ein positives Fazit ziehen. Allen Berichten über eine Eintrübung der Konjunkturaussichten zum Trotz konnten wir das Jahr mit guten Auftragseingängen beginnen und blicken dem weiteren Jahresverlauf positiv gestimmt entgegen.

    Wetterabhängig?

    Als Zulieferer diverser Branchen spielt die Liefertreue für unsere Kunden eine große Rolle, daher sind Verzögerungen im Transportprozess immer sehr ärgerlich. Unsere ohnehin schon schlechte Verkehrsanbindung wird da bei Schnee und Eis oftmals zum Problem, wenn Speditionen nicht oder nur sehr langsam nach Wittgenstein kommen. Daher kommt uns der milde Winter aus Unternehmenssicht entgegen. Noch mehr als über einen milden Winter würden wir uns aber über eine ganzjährig gute Verkehrsanbindung freuen."

    380 Mitarbeiter sind aktuell in den Unternehmen der Bikar-Gruppe beschäftigt. Davon entfallen 240 auf die Bikar-Metalle GmbH in Raumland sowie 140 Mitarbeiter auf die Bikar-Aluminium GmbH in Korbußen.

    21 junge Menschen werden derzeit bei Bikar in den Berufen Groß- und Außenhandelskaufmann, Industriekaufmann, Maschinen- und Anlagenführer sowie Industriemechaniker ausgebildet. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres im August werden bis zu 15 Auszubildende hinzustoßen, von denen die Mehrheit bereits ausgewählt und eingestellt ist.

    Von Christoph Vetter

    Quellennachweis

    Das Textmaterial wurde uns freundlicherweise von der WESTFALENPOST (WP) zur Verfügung gestellt.

    Fotos: BIKAR-METALLE

    WESTFALENPOST (WP)
    WP-Ausgabe vom 28. Januar 2016
    Internet www.derwesten.de

    WESTFALENPOST